Bergerlebnis Berchtesgaden Blog https://blog.berchtesgadener-land.com Tue, 30 Nov 2021 19:28:46 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.8.2 https://blog.berchtesgadener-land.com/wp-content/uploads/2021/02/cropped-Favicon-Berchtesgaden-gross-32x32.png Bergerlebnis Berchtesgaden Blog https://blog.berchtesgadener-land.com 32 32 Marie Hasenknopf, angehende Goldschmiedin https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/30/marie-hasenknopf-angehende-goldschmiedin/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/30/marie-hasenknopf-angehende-goldschmiedin/#respond Tue, 30 Nov 2021 15:18:59 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71855 Marie Hasenknopf, angehende Goldschmiedin

Das neueste Schmuckstück aus dem Hause „Goettgen“ wird vor allem junge Berchtesgadenerinnen begeistern: Ein etwa 15 Millimeter großes Buttnmandl als Kettenanhänger, silber oder silber vergoldet. Im Gegensatz zum „lebendigen“ Original gar nicht furchteinflößend. Die Gestaltung stammt maßgeblich aus der Feder von Marie Hasenknopf, die erst seit September diesen Jahres als Auszubildende das Handwerk des Goldschmiedens lernt.

Marie Hasenknopf ist noch jung. 19 Jahre. Nach dem Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr hat sie sich entschlossen, ihren Traum vom Goldschmieden konsequent zu verfolgen.

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Marie Hasenknopf, angehende Goldschmiedin

Das neueste Schmuckstück aus dem Hause „Goettgen“ wird vor allem junge Berchtesgadenerinnen begeistern: Ein etwa 15 Millimeter großes Buttnmandl als Kettenanhänger, silber oder silber vergoldet. Im Gegensatz zum „lebendigen“ Original gar nicht furchteinflößend. Die Gestaltung stammt maßgeblich aus der Feder von Marie Hasenknopf, die erst seit September diesen Jahres als Auszubildende das Handwerk des Goldschmiedens lernt.

Marie Hasenknopf ist noch jung. 19 Jahre. Nach dem Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr hat sie sich entschlossen, ihren Traum vom Goldschmieden konsequent zu verfolgen. Ihre Bewerbungen gingen an Betriebe in der oberbayerischen und Salzburger Nachbarschaft. Dass ausgerechnet in diesem Herbst eine Ausbildungsstelle in Berchtesgaden ausgeschrieben wird, damit hätte die sympathische Ramsauerin gar nicht gerechnet. „Die ersten Wochen in der Werkstatt haben mir schon unheimlich Spaß gemacht. Allein die Atmosphäre, das viele Werkzeug, die robusten Werkbänke, die Flammen der Brenner. Der Arbeitsplatz macht mir jeden Morgen Lust loszulegen.

Marie trägt selbst gerne Schmuck. Ringe, Ketten, Ohrringe und ein dezenter Blickfang an der hübschen Nase. Alles sichtbar individuell zusammengestellt. Dazu selbstgestrickte Wollstrümpfe, um beim Arbeiten keine kalten Füße zu bekommen. Ja, die Kombination aus Gespür fürs Produkt sowie Begeisterung und Hartnäckigkeit für die anstrengende Arbeit scheint gut zu passen.

Welch ein Glück, dass sie ihren Platz in einem echten Traditionsbetrieb gefunden hat. Seit 1902 werden Schmuckstücke beim Juwelier Goettgen gekauft. Es war der Ur-Ur-Großvater, ein Diamantschleifer aus Idar-Oberstein, der sich hier niederließ, um den Berchtesgadenerinnen und Berchtesgadenern das Leben zu vergolden. Martin Wagner, der das Geschäft heute mit seiner Frau betreibt, inzwischen in der Maximilianstraße, direkt gegenüber vom AlpenCongress, ist stolz auf diese lange Familientradition. „Wir sind seit jeher nicht nur Händler, wir wollen gestalten und unsere Kunden mit individuellen Kreationen begeistern.

Deswegen wird großer Wert darauf gelegt, eigenen Nachwuchs zu generieren. Die Ausbildung übernimmt Oswald König, der seinerzeit selbst im Unternehmen gelernt hat und ein Meister seines Fachs ist.

Nach dem Berchtesgadener Ring und dem Watzmann-Kettenanhänger, die bereits seit einigen Jahren zum besonderen Sortiment des Schmuckgeschäfts gehören, gingen im November die kleinen Buttnmandl in Miniserie. Gezeichnet und entworfen von Marie und von Oswald per CAD geplant. Inzwischen liegen die Rohlinge bereit zum Finish. Damit das Christkind – vielleicht sogar schon der Nikolaus – eine einzigartige Überraschung überbringen kann.

Tipp: Die Buttnmandl sind bereits sehr begehrt, wer sich noch vor Weihnachten eines sichern möchte, bestellt am besten schnell direkt beim Göttgen.

Marie jedenfalls hat bei diesem Projekt, das sie entscheidend mitgestalten durfte, Feuer gefangen. Sie wird in der Berufsschule ganz sicher besonders gut aufpassen, wenn es um Materialkunde, Gemmologie, Legierungsrechnen und Schmuckzeichnen geht. Denn beim nächsten Coup, den Martin Wagner bereits im Kopf hat, wird sie neben ihrer engen Verbundenheit zu Berchtesgadener Traditionen zusätzliche einiges an Fachwissen benötigen. Und natürlich möchte sie sich unbedingt wieder einbringen, wenn neue Schmuckstücke aus der Goettgen-Werkstatt entstehen.

Die Buttnmandl bekommt Ihr direkt beim Goettgen in Berchtesgaden, aber werft doch einen Blick in unseren Shop: Da gib es als Adventsaktion aktuell die Watzmann-Kettenanhänger, die sich am Hals auch ganz außerordentlich gut machen.

Die besten Wünsche für die schöne staade Zeit, macht es gut, Ursula

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Abschied von der Doku https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/23/abschied-von-der-doku/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/23/abschied-von-der-doku/#respond Tue, 23 Nov 2021 07:07:26 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71801 Abschied von der Doku

Dr. Mathias Irlinger, Leonie Zangerl und Karin Wabro vom der Bildungsreferat der Dokumentation Obersalzberg zeigen uns zum Abschied von der alten Dokumentation besondere Ausstellungsteile und Exponate.

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Abschied von der Doku

Am 20. Oktober 1999 eröffnete die Dokumentation Obersalzberg. Über drei Millionen Besucher wurden seitdem gleich nach der Eingangstüre von diesen Bildern empfangen – dem Prolog zur Ausstellung.

Die Kombination der Bilder soll die Versprechungen der Nationalsozialisten (Mitte), die Begeisterung in der Bevölkerung (daneben) und das Ergebnis von 12 Jahren Diktatur (auf den Flügeln links und rechts) zeigen. Den Besuchern soll so bereits am Anfang deutlich werden, dass der Obersalzberg im „Dritten Reich“ keine harmlose Ferienidylle war, sondern hier Verbrechen geplant und beschlossen wurden.

Kam das bei allen an? Darüber wurde 22 Jahre lang diskutiert. Viele blieben hier lange stehen. Manche schreckte der Prolog sogar vom Ausstellungsbesuch ab, andere gingen einfach an ihm vorbei. Einige sahen auch nur das Bild in der Mitte und machten Selfies. Die Flügel blendeten sie einfach aus. Dadurch zeigte der Prolog aber vor allem eines, Propaganda und Verbrechen gehören im Nationalsozialismus eng zusammen. Wer auch heute nur die Propaganda sehen will, wird aus der Geschichte nichts lernen!

Heute am 22. November 2021, wegen des Lockdowns fünf Tage früher als geplant, schließt die Dokumentation Obersalzberg ihre Pforten – aber natürlich nicht für immer: Die Dokumentation kommt mit neuer Ausstellung im neuen Gebäude zurück. Bis dahin wird der jetzige Bau zum Bildungszentrum umgestaltet. Dafür muss die jetzige Ausstellung weichen. Damit geht eine Ära zu Ende: Über 22 Jahre lang hat die „Doku“ – wie wir Einheimischen sie nennen – über die Geschichte des Obersalzbergs und des Nationalsozialismus informiert. Über 3,3 Millionen Menschen haben sie gesehen. Jetzt ist es Zeit Abschied zu nehmen!

Dr. Mathias Irlinger, Leonie Zangerl und Karin Wabro vom Bildungsreferat der Dokumentation Obersalzberg zeigen uns zum Abschied von der alten Dokumentation noch einmal besondere Ausstellungsteile und Exponate – manchmal mit Wehmut, manchmal mit Vorfreude und immer mit der Erkenntnis, dass es Zeit ist für Neues!

Kleine Häuser, die leuchten, wenn man auf Knöpfe drückt

Das Modell des Obersalzberges am Anfang der Ausstellung ist technisch einfach. Vielleicht funktioniert es genau deshalb seit 22 Jahren. Die Knöpfe wurden seit der Eröffnung der Ausstellung millionenfach gedrückt.

Nur selten klemmen einzelne Knöpfe. Dann behelfen sich die Guides kurzzeitig mit Schraubenziehern und schon leuchten die richtigen Gebäude wieder. Wenn ein Licht doch einmal ganz versagt, muss jemand in das Modell klettern und die Glühbirnen von unten wechseln.

Das Modell zeigt das „Führersperrgebiet“ im Jahr 1944. Wo zuvor ein Dorf war, leben nun Hitler, Göring, Bormann und Speer. Allein diese Nachbarschaft unterstreicht, dass der Obersalzberg damals kein bloßer Urlaubsort ist. Hier, in der traumhaften Bergwelt oberhalb von Berchtesgaden. macht die NS-Führung Politik. Weil das Modell mit wenig Text unglaublich viel erzählt, wird es auch in der neuen Ausstellung ein Modell geben. Dann sogar eines, dass von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden kann.

„Davon haben wir nichts gewusst!“

Mit dieser Aussage lehnen viele Deutsche nach 1945 eine Mitverantwortung für die Gewalt in der NS-Zeit ab. Darüber haben Mathias Irlinger und seine Kollegen in der Dokumentation Obersalzberg in den letzten 22 Jahren oft mit den Besuchern diskutiert. Viele Exponate zeigen, wie sichtbar die Verfolgung von Menschen in der NS-Zeit ist. Die meisten müssen etwas gemerkt und gesehen haben, beispielsweise bei der Reichspogromnacht: Eine Fotografie in der Ausstellung zeigt eine brennende Synagoge. Darunter ist ein Bild zu sehen mit vielen Schaulustigen.

Zahlreiche Menschen schauen zu, wie Jüdinnen und Juden misshandelt und jüdische Einrichtungen in ganz Deutschland geplündert und zerstört werden. Ob sie es gut finden oder innerlich dagegen sind, zeigt das Bild nicht. Eingeschritten ist aber niemand!

22 Jahre lang füllt diese Europakarte eine Tafel im Ausstellungsteil „Rassenpolitik, Judenverfolgung, Völkermord“. Viele Besucher der Dokumentation bleiben vor ihr stehen. Die Größe der Karte und die Anzahl der eingezeichneten Lager verdeutlicht die Ausmaße der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Einige Lager wie Auschwitz sind zu Synonymen für den Holocaust geworden, wie auch die Spuren auf der Karte zeigen.

Dabei werden auf der Karte längst nicht alle Lager gezeigt. Es fehlen hunderte von KZ-Außen- und Nebenlagern. Bei den Lagern für sowjetische Kriegsgefangene wurden nur jene berücksichtig, wo mehr als 25.000 Menschen starben! Hätte man alle Lager eingezeichnet, wäre die Karte mit Punkten überfüllt gewesen!  

Scheinbar durcheinander hängen diese Pins in einer Vitrine hinter einer Spendendose in Ausstellung.

In der NS-Zeit gibt es tausende dieser Anstecker. Man bekommt sie für eine Spende an das Winterhilfswerk der NS-Volkswohlfahrt (NSV). Mit dem Geld unterstützt die NSV nicht alle Menschen in Not, sondern nur jene, die in das Nazi-Menschenbild passen. Die Pins sind ein Anreiz zum Spenden, viele sammeln sie. Gleichzeitig wird auf diese Art Druck ausgeübt: Wer mag an Tagen von großen Sammelaktionen schon ohne Pin auf die Straße gehen und damit zeigen, dass man die NSV nicht unterstützt?  

Das Oaschpfeifirössl in der Doku

Das Arschpfeifenrössl – ein geschnitztes Pferd mit einer Pfeife im Hinterteil – kennen alle in Berchtesgaden. Es schmückt Weihnachtsbäume, ist ein beliebtes Souvenir und gehört zur Berchtesgadener War, der traditionellen Handwerkskunst der Region. Auch in der Ausstellung am Obersalzberg steht seit 22 Jahren ein „Oaschpfeifirössl“ zwischen anderen Schnitzereien und Werbeflyern. Warum?

Die Objekte zeigen, wie Nazi Symbole ab 1933 in viele Lebensbereiche Einzug erhielten – sogar in Kunsthandwerk und Tourismuswerbung. Nun schmückte Hitlers Haus traditionelle Berchtesgadener Holzschachteln und Werbeflyer. Auch Hakenkreuze waren zu sehen. Das Hasssymbol war nach 1933 salonfähig. Es diente nun sogar Werbezwecken.

Die neue Dokumentation Obersalzberg

Die neue Dokumentation Obersalzberg wird voraussichtlich Ende 2022 eröffnen. Auf einer Ausstellungsfläche von 800m² wird die neue Ausstellung unter dem Leitmotiv „Idyll und Verbrechen“ die Geschichte des 3. Reiches und speziell die Rolle des Obersalzbergs beleuchten. Ich bin schon gespannt darauf. Ein besonderer Dank gilt Karin Wabro für die Bilder!

Euer Sepp

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Der älteste Bergführerverein Deutschlands https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/18/der-aelteste-bergfuehrerverein-deutschlands/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/18/der-aelteste-bergfuehrerverein-deutschlands/#respond Thu, 18 Nov 2021 15:14:27 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71754 Der älteste Bergführerverein Deutschlands

140 Jahre Berchtesgadener Bergführer

Am 6. Juni 1881 gelingt es zwei Bergsteigern, die Watzmann Ostwand das erste Mal zu durchsteigen. Im gleichen Jahr wird der erste Bergführerverein in Berchtesgaden gegründet. Zwei Ereignisse, die eng miteinander verknüpft sind, denn ohne das eine hätte es das andere vielleicht lange nicht gegeben. Die Berchtesgadener Bergführer feiern in diesem Jahr ihr 140jähriges Jubiläum.

Johann Grill aus der Ramsau ist einer der beiden Bergsteiger, die am Erstbegehungstag nach 14 Stunden am Gipfel ankommen. Kederbacher nennen sie ihn, nach dem Namen des Hofes, von dem er kommt. Gemeinsam mit dem Wiener Otto Schück bewältigt er an diesem Tag im Juni 1881 die längste Wand der Ostalpen am Watzmann.

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140 Jahre Berchtesgadener Bergführer

Am 6. Juni 1881 gelingt es zwei Bergsteigern, die Watzmann Ostwand das erste Mal zu durchsteigen. Im gleichen Jahr wird der erste Bergführerverein in Berchtesgaden gegründet. Zwei Ereignisse, die eng miteinander verknüpft sind, denn ohne das eine hätte es das andere vielleicht lange nicht gegeben. Die Berchtesgadener Bergführer feiern in diesem Jahr ihr 140jähriges Jubiläum.

Johann Grill aus der Ramsau ist einer der beiden Bergsteiger, die am Erstbegehungstag nach 14 Stunden am Gipfel ankommen. Kederbacher nennen sie ihn, nach dem Namen des Hofes, von dem er kommt. Gemeinsam mit dem Wiener Otto Schück bewältigt er an diesem Tag im Juni 1881 die längste Wand der Ostalpen am Watzmann. Mit seinen 46 Jahren gehört der Kederbacher zu den erfahrensten Bergsteigern in der Region. Sein Name geht übrigens neben der Erstbegehung der Watzmann Ostwand noch ein zweites Mal in die Geschichtsbücher des Alpinismus ein: Johann Grill ist der erste offizielle deutsche Bergführer, noch vor der Gründung des ersten Bergführervereins.

1881 ist es dann soweit: Johann Grill und zwanzig weitere Bergführer schließen sich offiziell zum Berchtesgadener Bergführerverein zusammen. Zehn stammen aus der Ramsau, elf aus Königssee. Michael Grassl, langjähriges Mitglied der Berchtesgadener Bergführer, erzählt: „Die Ramsauer haben deutschlandweit die höchste Bergführerdichte auf die Einwohnerzahl gerechnet. Und darauf sind sie zu Recht stolz.“

Fahnenweihe des Bergführer Vereins Berchtesgaden im Jahr 1907

Wie entstand der Beruf des Bergführers?

Zu den Hofjagden heuern die Jäger in den Alpenregionen Treiber an, die das Wild von den Bergen ins Tal hetzen. Geländegängige, ortskundige und konditionsstarke Naturburschen sind das. Gleichzeitig beginnt die touristische Erschließung der Alpen. Die Erstbesteigung des Matterhorns gilt als Initialzündung und vor allem Briten wenden sich an ortsansässige und bergkundige Männer, um mit diesen die mächtigen Gipfel in den Alpen zu erklimmen. Mit den Jahren entwickelt sich daraus vom Träger der Ausrüstung der Beruf des Bergführers. Bis in die 1960er Jahre erteilt das Bezirksamt Berchtesgaden den Bergführern Autorisierungen zur Gästeführung – natürlich müssen sich die Anwärter zunächst als Begleiter bewähren. Das Amt verpflichtet die Bergführer, ein sogenanntes „Bergführer-Buch“ zu führen. In dieses trägt der Gast nach der Tour seine Eindrücke und die Beurteilung des Bergführers ein – quasi ein Vorläufer der heutigen Bewertungsportale im Internet!  

Die Liste aller Bergführer hängt damals beim Gasthaus Neuhaus in Berchtesgaden aus. Der Beruf hat ein sehr hohes Ansehen in der Bevölkerung und die Verdienstmöglichkeiten liegen deutlich über dem Durchschnitt. So verdient der Kederbacher mit drei Touren das Geld für seinen Hausbau. Gleichzeitig müssen sich die Bergführer auch im Alltag als verlässliche, verantwortungsbewusste Bürger bewähren. So passiert es tatsächlich, dass einem Bergführer wegen „Vielweiberei“ die Autorisierung zur Gästeführung entzogen wird, weiß Michael Grassl zu erzählen.

Berg- und Skiführer in den Alpen – unter maßgeblicher Beteiligung der Berchtesgadener Bergführer

1968 erfolgt die Gründung des Verbands der Deutschen Berg- und Skiführer (VDBS) auf Initiative des Berchtesgadener Bergführers Franz Rasp. Damit einher geht die Schaffung von Ausbildungsrichtlinien und die Autorisierung durch Bezirksämter gehört der Vergangenheit an. Franz Rasp, von 1974 bis 1985 Präsident des VBDS, sorgt 1972 dafür, dass für alle Bergführer in Deutschland eine staatliche Prüfung zur Gästeführung verpflichtend wird. Heute sind alle Berchtesgadener Bergführer staatlich geprüft. Sie haben eine langjährige und überaus anspruchsvolle Berufsausbildung durchlaufen und stehen für sicherheits- und verantwortungsbewusste Führungen und Veranstaltungen. So auch Paul Lenk, einer der längst gedienten Mitglieder der Berchtesgadener Bergführer, macht 1968 zunächst seine Ausbildung zum Heeresbergführer beim Bundesgrenzschutz am Kührointhaus. Hier lernt man das Bergsteigen bei der Ausbildung. Da Heeresbergführer außerhalb Deutschlands nicht kommerziell führen dürfen, durchläuft er noch die Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer. In den 1970er Jahren liegt der Schwerpunkt auf den bergsteigerischen Fähigkeiten. Die Gewichtung hat sich mittlerweile verschoben: Vor allem die Kondition der Bergführer steht zunehmend im Mittelpunkt. „Die muss natürlich besser sein, als die des Gastes, denn die sind mittlerweile auch fitter als sie es früher waren“, begründet Paul Lenk diese Entwicklung.

In der über fünfzigjährigen Geschichte des VDBS stehen dreimal Berchtesgadener Bergführer als Präsidenten an der Spitze des Verbands: Franz Rasp, der Pidinger Peter Geyer von 1993 bis 2005 und Michael Grassl von 2005 bis 2011. Peter Geyer wird von den nationalen und internationalen Bergführerkollegen in hohem Maße anerkannt: 1999 bis 2002 ist er Vizepräsident des internationalen Berg- und Skiführerverbands, 2002 bis 2005 schließlich Präsident. In dieser Zeit setzt er sich für die Schaffung internationaler Standards und die Verbesserung des Risikomanagements ein. Vierzig Jahre lang fungiert er außerdem als Ausbilder und Ausbildungsleiter.

Die Berchtesgadener Bergführer im Laufe der Jahre

Die erste Bergführerverordnung stammt aus dem Jahr 1870. Schon vor der Gründung des Vereins treffen sich die Bergführer zu Preisabsprachen der einzelnen Touren. Regelmäßige Stammtische werden über die Jahrzehnte ausgerichtet, bei denen die Berchtesgadener Bergführer einen Obmann aus den eigenen Reihen bestimmen und die Tarife für die Touren festlegen. „So wurde das seit eh und je gehandhabt“, erklärt Michael Grassl, „und die Berchtesgadener Bergführer halten sich auch heute noch an diese Vereinbarungen“. Er stellt einen weiteren Trend der heutigen Zeit fest: „Die Nachfrage nach Klettersteigen ist ziemlich stark gestiegen.“ Michael Grassl hat für die Kletterer in der Region einige Klettersteige erbaut. Zu den beliebtesten zählen der Klettersteig am Jenner und Grünstein. Letztgenannter ist der mit Abstand am meisten besuchte, geschätzt bis zu 20.000 Gäste durchsteigen diesen jährlich.

Nicht alle Obmänner in der Geschichte der Berchtesgadener Bergführer sind bekannt. Hubert Nagl, Obmann von 2010 bis 2013, findet in den Aufzeichnungen seines verstorbenen Vorgängers Ulrich Stöckl aber dennoch einige Namen: Der erste ist der Kederbacher Johann Grill. Seine polizeilich anerkannte Eignung zum Bergführer erlangt er übrigens dadurch, dass er zwei Jahre eine Hütte versorgt hat. Hellmut Schuster führt das Amt von 1929 bis 1966. 1974 bis 1985 übernimmt Franz Rasp die Obmannschaft. Ihm folgt Roland Bannert und später Dirk Brandner. Danach gibt es wieder genaue Aufzeichnungen: Ulrich Stöckl ist von 2004 bis 2010 Obmann. Seit 2013 steht Korbinian Rieser dem Verein als „Vorstand“ vor, wie es nun statt „Obmann“ heißen soll.

In den vergangenen Jahrzehnten sticht Franz Rasp durch seine Watzmann-Ostwand-Besteigungen hervor. Bis zu seinem Tod im Januar 1988 erklimmt er diese 298 Mal. Den aktuellen Rekord hält Heinz Zembsch, der „König der Ostwand“, mit 400 Durchsteigungen. „Der Zembsch Heinz und ich haben uns gerne bei unseren Gästeführungen durch die Ostwand zusammengetan,“ erzählt Michael Grassl, „und das hat sich einmal so richtig ausgezahlt. Bei einer Führung in den 1990er Jahren hat er mir schon von weitem angesehen, dass ich mit meinem Gast gar nicht zurechtkomme. Der wusste immer alles besser und die Chemie zwischen uns beiden hat halt leider gar nicht gepasst. In der Biwakschachtel haben der Heinz und ich dann kurzerhand unsere Gäste getauscht und dem Gipfelerfolg stand nichts mehr im Weg.

In den letzten Jahren versuchen immer mehr Bergsteiger, die Ostwand ohne Führung zu durchsteigen. Allerdings weiß Michael Grassl: „Die Apps und die damit verbundene Navigation suggerieren eine sichere Begehung der Ostwand. Allerdings funktioniert das GPS nicht einwandfrei in der Wand und wer auch nur zwanzig Meter von der angezeigten Route abweicht, landet schnell in sehr steilem Gelände. Das passiert bei einer geführten Tour natürlich nicht.“  Johann Grill würde wohl große Augen machen, könnte er im Bergsteigerhimmel erfahren, wie viele Menschen heutzutage jährlich durch die Bänder der Ostwand klettern. Und sich wünschen, dass mehr Menschen die Tour mit einem Bergführer planten – ein Garant für ein Bergerlebnis ohne böse Überraschungen.

Dankeschön!

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Paul Lenk, Michael Grassl und Hubert Nagl. Die drei Berchtesgadener Bergführer haben sich viel Zeit für mich genommen und mich meine neugierige Nase in ihre persönlichen Aufzeichnungen und Archive stecken lassen. Mit ihren Geschichten und Anekdoten ließen sich so einige Romane schreiben, das spränge aber hier den Rahmen. Ich hoffe dennoch, ich konnte Euch mit meinem Beitrag einen spannenden Einblick in die Geschichte der Berchtesgadener Bergführer bieten. In den nächsten Monaten stellen wir Euch Bergführer aus der Region vor und lassen sie einige spannende Geschichten erzählen.

Eure Christina

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Spannende Geschichten und Geschichte im Laternenlicht https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/16/spannende-geschichten-und-geschichte-im-laternenlicht/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/16/spannende-geschichten-und-geschichte-im-laternenlicht/#comments Tue, 16 Nov 2021 14:37:20 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71723 Spannende Geschichten und Geschichte im Laternenlicht

Gerade jetzt, wenn es abends früh dunkel wird, fällt das Frischeluftschnappen nach der Arbeit oder Schule gern mal aus. Nicht so für Anna Glossner, die Nachtwächterin Berchtesgadens, und ihre Begleiter.

Letzte Woche haben wir also mit einigen Müttern, Kindern und Teenies eine abendliche Tour durch den Markt Berchtesgaden gebucht. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, ein bisschen Heimat- und Sachkunde unterzubringen. Wir treffen uns vor dem Königlichen Schloss. Die ersten Standl des Berchtesgadener Advents stehen bereits, die Nachtwächterin thront mitten auf dem Schlossplatz. Fesch gewandet, in der einen Hand die Hellebarde, in der anderen eine Laterne. Zum Gruß bläst sie für uns in ihr kleines Horn.

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Spannende Geschichten und Geschichte im Laternenlicht

Gerade jetzt, wenn es abends früh dunkel wird, fällt das Frischeluftschnappen nach der Arbeit oder Schule gern mal aus. Nicht so für Anna Glossner, die Nachtwächterin Berchtesgadens, und ihre Begleiter.

Letzte Woche haben wir also mit einigen Müttern, Kindern und Teenies eine abendliche Tour durch den Markt Berchtesgaden gebucht. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, ein bisschen Heimat- und Sachkunde unterzubringen. Wir treffen uns vor dem Königlichen Schloss. Die ersten Standl des Berchtesgadener Advents stehen bereits, die Nachtwächterin thront mitten auf dem Schlossplatz. Fesch gewandet, in der einen Hand die Hellebarde, in der anderen eine Laterne. Zum Gruß bläst sie für uns in ihr kleines Horn.

Können sich unsere Kids vorstellen, dass hier einst dichter Urwald stand, gefährliche Tiere umherzogen, kaum Menschen lebten? Nur ab und zu kamen Jagdgesellschaften hier her, um prachtvolle Hirsche und gewaltige Bären zu erlegen. Die Stiftskirche, die ihre zwei Türme hier stolz in die Höhe streckt, entstand aufgrund des Gelübdes eines verunglückten Jägers. Wie es dazu kam und wo man heute auf die entscheidenden Ortsgründer trifft, ist Teil der folgenden Stunde mit Anna Glossner.

Ebenso wie die das Schicksal der Gebeine am ersten Berchtesgadener Friedhof. Oder die wenig schmeichelhafte Beschreibung der Einheimischen anno dazumal. (Das hat sich glücklicherweise inzwischen sichtbar verändert!)

Anna Glossner sticht optisch hervor. Im täglich Leben, wenn sie mit ihrem akkurat gesteckten Zopf hoch aufgerichtet durch den Markt Berchtesgaden läuft genauso wie als Nachtwächterin. Denn sie trägt nicht die klassische Kluft ihrer Zunft, keinen schwarzen Hut und Mantel.

Warum sie sich leuchtend rot-gülden kleidet und dies absolut stilecht ist, verrate ich nicht an dieser Stelle. Auch nicht die vielen anderen Schilderungen aus der reichen Geschichte Berchtesgadens. Zum Beispiel die vom Engelbert, ohne den unser Ort nicht denkbar wäre. Und nein, um die Lederhosen-Engelberts geht es diesmal ausnahmsweise nicht. Auch nicht wie wohl der berühmte Königssee zu seinem Namen kam oder warum wir noch heute gern „die Sau rauslassen“. Welche Spuren haben die reichen Holzverleger im Ortszentrum hinterlassen und warum, in aller Welt, prangen auf einer Hauswand fidele Affen?

Um all das zu erfahren, müsst Ihr selbst an einer von Anna Glossners Nachtwächterführungen teilnehmen. Entweder jeden Freitag während des Berchtesgadener Advents um 17 Uhr, Treffpunkt am Schlossplatz. Oder Ihr macht es wie wir und gönnt Euch mit ein paar Freundinnen und Freunden eine individuelle Tour. Gerade im Moment, wo man sich wenn, dann am besten draußen und in kleiner Runde trifft, ein idealer Aufhänger, sich zu sehen. Kontakt mobil 0171-7271556.

Ich kann es nur empfehlen, sich in Annas Obhut zu begeben, die Geschichte Berchtesgadens zu vergegenwärtigen und jedes Mal ein paar neue Entdeckungen im bekannten Markt Berchtesgaden zu machen.

Eure Ursula (die mal wieder dem Sepp danke sagt für seine Fotos)

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Schloß Staufeneck – es wacht über den Rupertiwinkel https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/13/schloss-staufeneck-es-wacht-ueber-den-rupertiwinkel/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/13/schloss-staufeneck-es-wacht-ueber-den-rupertiwinkel/#respond Sat, 13 Nov 2021 14:49:24 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71687 Schloß Staufeneck – es wacht über den Rupertiwinkel

Und der Hochstaufen? – er „wacht“ hoch aufragend über das Schloß

Der farbenprächtige Herbst – in diesem Jahr 2021 für Fotos über Wochen in seinen Motiven schier unerschöpflich. Wo sollte man zuerst hin? Wo gibt es das Lohnenste? Und dann ja noch der Nebel, der schnell und unerwartet der Farbenpracht ein Ende setzt oder der Herbstwind, der die Blätter fallen lässt.

Tagtäglich geht die Fahrt für viele auf der an Piding vorbeiführenden Autobahn A8, der Bundesstraße und der Staatsstraße unterhalb meines heute gewählten „Motivs“ vorbei. Hoch über dem Talgrund des Stoißer Achentals und beinahe als beschützt zu sehend am Fuße von Fuderheuberg- und Hochstaufenmassiv liegt das ehrwürdige Schloß Staufeneck.

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Schloß Staufeneck – es wacht über den Rupertiwinkel

Und der Hochstaufen? – er „wacht“ hoch aufragend über das Schloß

Der farbenprächtige Herbst – in diesem Jahr 2021 für Fotos über Wochen in seinen Motiven schier unerschöpflich. Wo sollte man zuerst hin? Wo gibt es das Lohnenste? Und dann ja noch der Nebel, der schnell und unerwartet der Farbenpracht ein Ende setzt oder der Herbstwind, der die Blätter fallen lässt.

Tagtäglich geht die Fahrt für viele auf der an Piding vorbeiführenden Autobahn A8, der Bundesstraße und der Staatsstraße unterhalb meines heute gewählten „Motivs“ vorbei. Hoch über dem Talgrund des Stoißer Achentals und beinahe als beschützt zu sehend am Fuße von Fuderheuberg- und Hochstaufenmassiv liegt das ehrwürdige Schloß Staufeneck.

Vor meinem „Fotoherbstspaziergang“ will ich aber mehr wissen von diesem monumentalen Bauwerk, das die Jahrhunderte überdauerte und wohl noch überdauern wird.

Auszug aus der Broschüre „Schloß Staufeneck“ von Max Wieser:

Beherrschend ist ihr Platz oberhalb der alten Salzstraße am Talausgang von Bad Reichenhall. Dieser Wächter aus alten Zeiten wurde zum Schutz der Salinenstadt und des Salzhandels erbaut. Der jeweilige Besitzer von Schloss Staufeneck konnte somit die Reichenhaller Salzstraße bewachen und kontrollieren. Anhand alter Zollbücher vom Mauthaus zu Mauthausen können wir feststellen, dass auf dieser Straße ein lebhafter Handel betrieben wurde. Besonders im Winter waren die Salzfuhrleute mit ihren schwer beladenen Salzwagen Tag und Nacht unterwegs. Von Schloss Staufeneck aus konnten die Erzbischöfe von Salzburg den Pulsschlag des Salzhandels fühlen, der zugleich den Lebensnerv von Bad Reichenhall, Traunstein und München bedeutete.

Genau diesen „Pulsschlag“ des Lebens an dieser so geschichtsträchtigen Stelle will ich erleben und erfühlen und die Mächtigkeit im Bild festhalten; eine Mächtigkeit, die den Menschen jener Zeiten Angst einflößte und Furcht verbreitete unter den Untertanen; die Mächtigkeit, die ausgenutzt Reichtum und Macht für einige wenige und Armut für die vielen anderen brachte.

Mein Weg führt vom Parkplatz Gasthof Staufeneck leicht ansteigend durch den Herbstwald. Immer wieder gibt der schon lichte Wald den Blick frei zum Ziel der Wanderung.

Für mich besonders reizvoll die 2019 von den jetzigen Besitzern von Schloß Staufeneck den ganzen Weg entlang errichteten 14 Kreuzwegstationen. Sie lassen sich jeweils bei einer kurzen Rast betrachten und geben so manchen Impuls zum Nachdenken.

Groß und mächtig steht das Schloss Staufeneck als beredter Zeuge einer wechselvollen Geschichte am Ende meiner Wanderung: Maßgeblich geprägt diese Region über die Jahrhunderte durch das Salz mit Fördern, Versieden und Handel treiben; geprägt durch das Zusammenleben von Erzstift Salzburg und Bayern; geprägt durch die Menschen, die hier über die Jahrhunderte, ja Jahrtausende lebten und arbeiteten…
… und geprägt von den Menschen, die das Schloss nach wie vor tagtäglich auf ihrem Weg durch das Rupertiwinkler Stoißer Achental passieren…

Eure Rosi

alle Bilder: RoHa-Fotothek Fürmann

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Ungeplanter „Arbeitseinsatz“ am Purtschellerhaus https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/08/ungeplanter-arbeitseinsatz-am-purtschellerhaus/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/08/ungeplanter-arbeitseinsatz-am-purtschellerhaus/#comments Mon, 08 Nov 2021 07:12:58 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71661 Ungeplanter „Arbeitseinsatz“ am Purtschellerhaus

„Passt‘s halt auf, dass Ihr Eich koan Schiefer eiziagts!“ sagt Hüttenwirt Sigi Hinterbrandner und schaut die zwei Fünf-Jährigen amüsiert an – wie sie da stehen, voller Tatendrang, mit leuchtenden Augen. Unbedingt wollen sie mithelfen. Bei der Holzarbeit. Hoch oben auf 1.692 Metern über dem Meeresspiegel.

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Passt‘s halt auf, dass Ihr Eich koan Schiefer eiziagts!“ sagt Hüttenwirt Sigi Hinterbrandner und schaut die zwei FünfJährigen amüsiert an – wie sie da stehen, voller Tatendrang, mit leuchtenden Augen. Unbedingt wollen sie mithelfen. Bei der Holzarbeit. Hoch oben auf 1.692 Metern über dem Meeresspiegel.

Wir sind heute Morgen zu fünft aufgebrochen – zwei Mamas, ein entzückendes „Pubertier“ und die zwei Kleinen: Meine Tochter und ihr gleichaltriger Freund. Wir sind ganz bequem von zu Hause abgeholt worden und über Berchtesgaden und den Obersalzberg auf die Rossfeldpanoramastraße mit dem Auto gefahren. Deutschlands höchstgelegene, mautpflichtige Panoramastraße bringt uns in Nullkommanichts und ohne jegliche Anstrengung auf über 1.500 Meter Höhe. Der Ausblick von den spektakulären Kehren und dem Hochplateau hinunter ins Berchtesgadener Tal und hinein ins Salzburger Land ist an diesem kalten, klaren Herbstmorgen einfach nur atemberaubend schön.

In der Nähe des Ausflugslokals Ahornkaser parken wir und überqueren die Straße, die jetzt in der Früh noch nicht stark befahren ist.

Gleich am Beginn des Wegs, der uns steil bergab zum Eckersattel bringt, ein Highlight für den Nachwuchs: Eis. Es hat in dieser Höhe über Nacht schon kräftig gefroren. Versickerndes Wasser aus dem Brunnen lässt sich wunderbar als Eisplatten herausbrechen. Was in einen gemauerten Kanal läuft, bildet einen kleinen Eiswasserfall, den es sich prima hinunterrutschen lässt. Alle drei Kinder sind begeistert und wir vereinbaren sofort einen Tag für den ersten Besuch in der Berchtesgadener Eishalle – die Zeit zum Schlittschuhlaufen hat definitiv begonnen.

Unten entscheiden wir uns für den Aufstieg auf dem Salzburgersteig. Von hier sehen wir wunderbar nach Salzburg hinüber. Die Stadt liegt komplett unter einer weichen Nebeldecke, nur die weißgetünchte Festung ragt heraus.
Wir steigen an steilen Hängen, die mittlerweile nur noch spärlich mit braunem Gras bedeckt sind, hinauf.

Der Hohe Göll mit seinen rauen, steil abfallenden Felswänden steht majestätisch vor uns und katapultiert uns gefühlsmäßig sofort ins Hochalpine. Unsere Augen suchen die Grashänge und Schuttkegel nach Gämsen ab, werden aber leider nicht fündig. Die Kinder sind voller Energie und stürmen den steilen Pfad hinauf. Da müssen wir Mamas schon schauen, dass wir Schritt halten. Es kommt uns so vor, als wären wir gerade erst losgegangen, als die Große von oben ruft: „Ich sehe es schon, das Purtschellerhaus!“ Und wirklich: Da oben steht es, mit seinen mit etwas verwitterten Holzschindeln bedeckten Außenwänden. Es schaut sehr freundlich und einladend aus, obwohl wir wissen, dass es seit etwa einer Woche bereits im Winterschlaf liegt und wir unsere Brotzeit selber mit heraufbringen müssen.

Umso erstaunter sind wir, als beim Haus reger Betrieb herrscht. Die Materialseilbahn läuft, ein Schubkarren steht bereit und hinter dem Haus hören wir die Kreissäge und jemanden beim Holz hacken.

Im Winter sind wir nicht heroben, aber für den Sommer brauchen wir viel Holz,“ erklärt Hüttenwirt Sigi im Gespräch, „für den Kachelofen, damit‘s in der Gaststube schön warm ist und auch der Küchenofen wird mit Holz geheizt.“
Sobald eine Kiste mit der Materialseilbahn ankommt, räumt sie der Hüttenwirt schnell aus. Dann packen die zwei Kleinen mit an, einer vorne, einer hinten, und schleppen die langen Holzstücke über die Treppe und hinter das Haus, wo sie klein gemacht werden. Sie strahlen, als sie als Belohnung ein Bonbon und ein ernstgemeintes Dankeschön bekommen.

Hinunter nehmen wir den Bayerischen Weg. Die lange Treppe, die ganz gerade den Berg hinab führt, mutet einer Himmelsleiter an. Wir zählen 509 Stufen!

Am Eckersattel müssen die Kinder ein wenig Mut sammeln, um den steilen Anstieg zum Auto antreten zu können. Sie sitzen auf einem langen Holzstoß und blicken auf die Materialseilbahn und das Purtschellerhaus, das jetzt wieder ganz oben thront. „Das war heute eine richtig schöne Tour,“ beschließen wir alle einhellig und stoßen mit unseren Trinkflaschen auf eine gelungene Wanderung mit einem ungeplanten Arbeitseinsatz an.

Eure Claudia

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Mord und Totschlag in Berchtesgaden? https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/04/mord-und-totschlag-in-berchtesgaden/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/04/mord-und-totschlag-in-berchtesgaden/#respond Thu, 04 Nov 2021 07:51:12 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71632 Mord und Totschlag in Berchtesgaden?

Buchtipp: Seit September ist der Titel „Mord am Watzmann“ von Felix Leibrock zu lesen. Der Autor hat angekündigt, eine Berchtesgaden-Krimireihe zu starten – „Mord am Watzmann“ war also nur der erste Streich.

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Mord und Totschlag in Berchtesgaden?

Zum Glück nur in der Fantasie von Drehbuch- und Krimiautoren!

Vor zwei Jahren startete die mittlerweile bestens bekannte ARD-Serie „Watzmann ermittelt“. Im vergangenen Sommer 2021 wurde bereits die dritte Staffel in Berchtesgaden gedreht. Bevor die acht neuen Folgen in der ARD gezeigt werden, ist unsere Region schon wieder zum Schauplatz eines fiktiven Verbrechens geworden: Seit September ist der Titel „Mord am Watzmann“ von Felix Leibrock zu lesen.

Mord am Watzmann: Ein Berchtesgaden Krimi

Als das Buch erscheint, muss ich den Krimi sofort lesen. Krimis zählen zu meinen Leidenschaften: In meinem vollgestopften Bücherregal finden sich neben zahlreichen Krimireihen aus England natürlich auch die deutschen Ermittler unter anderem aus München, Ost- und Nordfriesland und dem Allgäu.

Es ist Sonntagnachmittag Ende September, das Wetter ist traumhaft und ich habe einen fantastischen Blick von meiner sonnigen Terrasse auf den Watzmann, der durchaus als Schicksalsberg gilt. Die perfekten Bedingungen, um in die Welt des Ermittlers Simon Perlinger und des Opferehepaars einzutauchen. Der Klappentext macht mich neugierig:

Kletterunfall oder perfektes Verbrechen? Mordermittlungen in den Berchtesgadener Alpen. Für ein Urlauber-Ehepaar endet die Bergtour auf den Watzmann tödlich: Kurz unterhalb der Mittelspitze stürzen sie in die Tiefe. Keiner der beiden überlebt. Ein Fall von Selbstüberschätzung? Gestolpert, ausgerutscht – oder gestoßen? Der junge Kommissar und Polizeibergführer Simon Perlinger glaubt nicht an einen Zufall. Als routinierter Kletterer und angstfreier Bergfex ist er Spezialist für Alpinunfälle. Und sein Instinkt sagt ihm: Hier ist nicht alles mit rechten Dingen zugegangen! Doch wer könnte ein Motiv gehabt haben, die wohl treuesten Stammgäste des Ortes zu ermorden? […] Warum sind die Wanderer trotzdem verunglückt? Bei seinen Ermittlungen stößt Simon Perlinger bald auf dunkle Geheimnisse im Umfeld der Opfer – und eine Mauer des Schweigens bei den sonst so redseligen Berchtesgadenern.

(Quelle: Verlag Servus)

Mein Fazit: Anfangs fand ich schwer in die Geschichte hinein. Zu Beginn baut der Autor sehr viele Handlungsstränge auf: Es fällt mir nicht leicht, die Personen auseinanderzuhalten. Vielleicht hat mich aber auch der Blick auf den Watzmann abgelenkt? Ein bisschen unheimlich wurde mir bei der Lektüre ernsthaft, als tatsächlich ein Wanderer tödlich am Watzmann verunglückte und die Todesumstände zunächst unklar erschienen. Nach knapp einem Drittel wurde ich warm mit der Geschichte rund um den Ermittler Simon Perlinger, der nicht zur Kriminalpolizei gehört und quasi under cover versucht, den Fall zu lösen. Seine sportliche Kollegin, Luisa Sedlbauer, hat es mir auch angetan. Ihre Vorbereitungen für eine Watzmannüberschreitung in Rekordzeit gibt für mich eine schöne Rahmengeschichte ab. Und die bildliche Beschreibung der Szenerie am Watzmann lässt den Leser in Gedanken richtig mitlaufen.

Noch ein paar Worte zum Autor:

Felix Leibrock ist selbst begeisterter Bergsteiger und macht seine Lieblingsgipfel in den Berchtesgadener Alpen zur Kulisse für Mord und Totschlag. Als Seelsorger der Bayerischen Bereitschaftspolizei ist ihm kaum ein menschlicher Abgrund fremd. Dadurch kann er besonders authentische Kriminalgeschichten schreiben – quasi aus dem echten Leben gegriffen!

(Quelle: Verlag Servus)

Felix Leibrock hat angekündigt, eine Berchtesgaden-Krimireihe zu starten – „Mord am Watzmann“ war also nur der erste Streich. Ich freue mich auf den nächsten Fall und finde sicher auch dafür ein Platzerl in meinem Bücherregal.

Das fiktive Morden hat übrigens eine lange Tradition in Berchtesgaden: Allein in den vergangenen zehn Jahren sind einige Krimis erschienen, die in der Region spielen. Krimifreunde, die unsere Region kennen und schätzen, kommen in den folgenden Büchern voll auf ihre Kosten:

  • Fressen ihn die Raben, Volker Streiter, 2012
  • Serie Holzhammer ermittelt von Fredrika Gers:
  • Die Holzhammer-Methode: Ein Alpen-Krimi (Holzhammer ermittelt 1), 2012
  • Teufelshorn: Ein Alpen-Krimi (Holzhammer ermittelt 2), 2013
  • Gut getroffen: Ein Alpen-Krimi (Holzhammer ermittelt 3), 2014
  • Frühjahrsputz: Ein Alpen-Krimi (Holzhammer ermittelt 4), 2016
  • Mord am Toten Mann: Ein Alpen-Krimi (Holzhammer ermittelt 5), 2017
  • Watzmanns Erben, Frauke Schuster, 2017
  • Tod in der Wimbachklamm, Maximilian Michael Graf, 2017
  • Der Watzmann und der Tod, Frauke Schuster, 2018
  • Mörderischer Königssee, Christoph Merker, 2018

Eure Christina

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Bunte Blätter sammeln in Maria Gern https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/02/bunte-blaetter-sammeln-in-maria-gern/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/11/02/bunte-blaetter-sammeln-in-maria-gern/#comments Tue, 02 Nov 2021 07:13:15 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71608 Bunte Blätter sammeln in Maria Gern

Claudia war am Wochenende in Maria Gern unterwegs. Gemeinsam mit ihrer Tochter hat sie bunte Blätter gesammelt, neonorange Bäume bestaunt und so manche tierische Begegnung erlebt.

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Bunte Blätter sammeln in Maria Gern

Eine Herbstwanderung auf dem Gerer Höhenweg

Immer wenn meine fünfjährige Tochter und ich von zu Hause in der Nähe des Königssees über die flache Strecke der Bundesstraße in Richtung Berchtesgaden brausen, suchen wir mit dem Blick das winzige Kirchlein, das von links drüben in weiter Ferne aus dem dichten Bergwald im Gerer Tal herausblitzt. Entzückend sieht es aus und wir stellen uns die Gläubigen vor Hunderten von Jahren vor, die hier, von St. Bartholomä kommend, gleich den nächsten Wallfahrtsort in Sichtweite hatten.

Schwarz und scharf hebt sich der Zwiebelturm der Wallfahrtskirche Maria Gern gegen den strahlend blauen Himmel ab. Heute sind wir herübergefahren, nach Maria Gern, einem Ortsteil Berchtesgadens. Wir wollen uns nicht nur eine Portion gute Energie in der Kirche holen, sondern den wunderschönen Gerer Höhenweg marschieren.

Wir bestaunen die waldigen Hänge der Kneifelspitze gegenüber während wir zum Hof Fendtleiten hinaufwandern. Einige Bäume stechen durch ihre buchstäblich neonorangen und neonroten Blätter erst recht hervor. Erst letzte Woche hat mir ein befreundeter Botaniker erklärt, warum die Herbstfärbung in diesem Jahr so auffällig intensiv ist. Eine Mischung aus einem relativ feuchten Sommer, knackig kalten Tagen Anfang Oktober und darauffolgend viel Sonnenschein ist scheinbar verantwortlich für die außergewöhnliche Farbenpracht. Am Beginn des Pfads erwartet uns die erste tierische Begegnung des Tages: Zwei Walliser Schwarznasenschafe mit ihrem Nachwuchs. Amüsiert suchen wir die Augen der Tiere, die sich doch irgendwo in dem dicken, gekräuselten Fell verstecken müssen. Die gedrehten Hörner sind fast ein bisschen angsteinflößend. Die netten schwarzen Nasen machen die Tiere dann aber doch wieder niedlich.

Zwar scheint die Sonne warm vom Himmel. Aber die Luft ist kalt und frisch. Im Wald, im Schatten der Bäume, zwickt sie uns gehörig in die Arme. Meine Tochter ist froh um ihre wärmende Weste, die sich für Herbstwanderungen ungemein gut eignet. Es geht über kleine Waldpfade und äußerst selten befahrene, asphaltierte Zufahrtswege zu einsam gelegenen Höfen. Spannend bleibt es allemal, denn an quasi jeder Ecke gibt es Holzverschläge, Hütten oder Jägeranstände zu denen sich prima Geschichten erfinden lassen. Und selbstverständlich werden viele Hände voll ganz besonders schön gefärbter Blätter gesammelt.

Beim Ascherlehen kommen wir aus dem Buchenwald heraus und folgen der Teerstraße immer weiter in Richtung Obergern. Unterwegs finden wir genau den richtigen Brotzeitplatz, schön in der Sonne, mit direktem Blick auf den majestätischen Watzmann. Am Ende der Straße blickt uns ein riesiger, schwarzer Warmblüter sanftmütig an. Lang streckt er den Hals über den Zaun – er riecht wohl den von unserer Brotzeit übriggebliebenen Apfel. Aber den brauchen wir noch selbst – als Notration für die letzte Etappe.

Nun steigen wir steil in den Steingraben hinab und meine Tochter hüpft immer fröhlicher und schneller voraus. Wir nähern uns dem, worauf sie sich bei dieser Wanderung immer am meisten freut. Es ist ein wahrlich ganz besonderer Anblick, sobald sich der Weg auf die weite Wiese öffnet: Hinten thront der massive Untersberg mit durch die Sonne warm orange leuchtenden Felsen, drüben liegt das urige Untersberglehen und auf uns zu trippeln an die zehn Lamas. Die Zähne schauen ein bisschen aus dem Mund heraus, das Fell ist teils kurz, teils wuschelig lang, die Färbung von rötlich bis ganz schwarz. Ihr Gang mutet immer etwas gestelzt, fast überheblich, an, als sie an den Zaun herankommen und uns neugierig betrachten. Erst vor Kurzem haben meine Tochter und ich den Disney-Klassiker „Ein Königreich für ein Lama“ angeschaut und wir erinnern uns lachend an so manche Szene – mit den lebendigen Hauptdarstellern vor Augen.

Durch die Hintergern marschieren wir nun auf der Teerstraße, ab dem Gasthof Dürrlehen werden unsere Schritte schneller. Die Sonne ist hier schon untergegangen und es wird empfindlich kalt. Da wärmt uns die kleine Flamme der Opferkerze, die wir als Abschluss dieses schönen Tages in der Kirche Maria Gern anzünden, gleich doppelt – nicht nur von innen, sondern auch von außen.

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Die Seeforelle kehrt zurück in den Königssee https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/10/18/die-seeforelle-kehrt-zurueck-in-den-koenigssee/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/10/18/die-seeforelle-kehrt-zurueck-in-den-koenigssee/#respond Mon, 18 Oct 2021 14:34:35 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71588 Die Seeforelle kehrt zurück in den Königssee

2018 starten der Nationalpark Berchtesgaden, der Fischer vom Königssee und die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern ein Projekt zur Wiederansiedelung der Seeforelle. Wegen ihrer Größe von bis zu über einem Meter wird der Fisch die „Königin der Alpenseen“ genannt. In nahezu allen großen bayerischen Seen gibt es in den 1980er und 1990er Jahren massive Bestandseinbrüche. 2012 gelingt am Königssee der letzte Nachweis einer großen Seeforelle.

Einer der Hauptgründe für den Bestandseinbruch der Seeforelle dürfte in der Verschlammung früher bekannter Laichplätze liegen, wie in der Saletbucht oder bei St. Bartholomä“, vermutet Dr. Bernhard Gum von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern.

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Die Seeforelle kehrt zurück in den Königssee

2018 starten der Nationalpark Berchtesgaden, der Fischer vom Königssee und die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern ein Projekt zur Wiederansiedelung der Seeforelle. Wegen ihrer Größe von bis zu über einem Meter wird der Fisch die „Königin der Alpenseen“ genannt. In nahezu allen großen bayerischen Seen gibt es in den 1980er und 1990er Jahren massive Bestandseinbrüche. 2012 gelingt am Königssee der letzte Nachweis einer großen Seeforelle.

Einer der Hauptgründe für den Bestandseinbruch der Seeforelle dürfte in der Verschlammung früher bekannter Laichplätze liegen, wie in der Saletbucht oder bei St. Bartholomä“, vermutet Dr. Bernhard Gum von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern. „Sehr wahrscheinlich hängt dies mit der Klimaerwärmung zusammen, die unsere Gewässer langsam erwärmt. Damit einher geht unter anderem ein verstärktes Pflanzenwachstum. Die absterbende Biomasse führte dann über die Jahre gerade in Flachwasserbereichen zu einer fortschreitenden Degradation der Laichplätze“.

Im Nationalpark beginnt man 2011 mit der aufwändigen Renaturierung des Saletbachs. Bald herrschen wieder bessere Lebens- und Laichbedingungen für junge Seeforellen zwischen Salet und Obersee. 2018 beginnt schließlich das Wiederansiedlungsprojekt. Noch bis 2024 werden die Projektbeteiligten hier die Entwicklung der Jungfische genau beobachten und dokumentieren.

„Die Seeforelle ist eine Charakterart des Königssees und gehört wieder zurück in dieses Gewässer“ sagt Nationalpark-Ranger Klaus Melde. Er begleitet das Projekt zur Wiederansiedlung der „Königin der Alpenseen“ von Anfang an. Die Rückkehr der großen, farbenfrohen Forellen in den Königssee ist für den 55-jährigen Ranger eine Herzensangelegenheit.

Seit 2018 bringen Klaus, der Königsseefischer Thomas Amort und andere Projektbeteiligte jedes Jahr im Frühjahr zwischen 10.000 und 15.000 so genannte Seeforellen-Brütlinge (Jungfische im Dottersack oder angefütterte Brut) im Saletbach zwischen Obersee und Königssee aus. Insgesamt wurden in den Besatzaktionen rund 50.000 junge Seeforellen ausgesetzt. Im Herbst findet alljährlich eine Kontrolle der Bestände per Elektrobefischung statt. Dabei werden die Fische kurzzeitig betäubt, mit dem Kescher gefangen, vermessen und wieder in die Freiheit entlassen.

Kürzlich fand die diesjährige Befischung im Saletbach und den angrenzenden Gewässern zur Erfolgskontrolle statt – mit guten Ergebnissen. Bei der aktuellen Kontrollbefischung konnten Dr. Bernhard Gum und Dr. Leonhard Egg von der Fischerei-Fachberatung, Königssee-Fischer Thomas Amort sowie Nationalpark-Ranger Klaus Melde im Saletbach auf 100 Metern Bachstrecke insgesamt elf junge Seeforellen aus drei Jahrgängen nachweisen. Die mit 28 cm Länge größte gefangene Forelle bei der diesjährigen Kontrollbefischung stammt wahrscheinlich aus der Besatzaktion im Jahr 2019.

Das ist ein gutes Ergebnis und lässt uns weiter hoffen, dass die Seeforelle im Königssee wieder heimisch werden kann“, sagt Dr. Bernhard Gum von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern.

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Tatkräftige Helfer beim Schwenden https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/10/01/tatkraeftige-helfer-beim-schwenden/ https://blog.berchtesgadener-land.com/2021/10/01/tatkraeftige-helfer-beim-schwenden/#respond Fri, 01 Oct 2021 09:57:46 +0000 https://blog.berchtesgadener-land.com/?p=71568 Tatkräftige Helfer beim Schwenden

Die Artenvielfalt fördern, beim Erhalt traditioneller Landwirtschaft mitwirken und im Zuge dessen noch die Berchtesgadener Bergwelt genießen – all das erlebten acht freiwillige HelferInnen beim 3. Freiwilligencamp der Biosphärenregion Berchtesgadener Land, das in Zusammenarbeit mit der Molkerei Berchtesgadener Land und Unterstützung der Bayerischen Staatsforste auch in diesem Jahr stattfinden konnte.

Eine Biosphärenregion, als solche wurde das Berchtesgadener Land von der UNESCO bereits 1990 ausgezeichnet, setzt sich zum Ziel, Wirtschaft und Natur im Einklang zu entwickeln. Peter Loreth, Leiter der Biosphärenregion-Verwaltungsstelle: „Wenn wir eine kleinstrukturierte, für das Berchtesgadener Land auch typische Berglandwirtschaft erhalten können, trägt das gleichermaßen zur Sicherung der hohen Biodiversität unserer Kulturlandschaft, als auch zum Fortbestand unserer landwirtschaftlichen Betriebe bei.

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Tatkräftige Helfer beim Schwenden

Die Artenvielfalt fördern, beim Erhalt traditioneller Landwirtschaft mitwirken und im Zuge dessen noch die Berchtesgadener Bergwelt genießen – all das erlebten acht freiwillige HelferInnen beim 3. Freiwilligencamp der Biosphärenregion Berchtesgadener Land, das in Zusammenarbeit mit der Molkerei Berchtesgadener Land und Unterstützung der Bayerischen Staatsforste auch in diesem Jahr stattfinden konnte.

Eine Biosphärenregion, als solche wurde das Berchtesgadener Land von der UNESCO bereits 1990 ausgezeichnet, setzt sich zum Ziel, Wirtschaft und Natur im Einklang zu entwickeln. Peter Loreth, Leiter der Biosphärenregion-Verwaltungsstelle: „Wenn wir eine kleinstrukturierte, für das Berchtesgadener Land auch typische Berglandwirtschaft erhalten können, trägt das gleichermaßen zur Sicherung der hohen Biodiversität unserer Kulturlandschaft, als auch zum Fortbestand unserer landwirtschaftlichen Betriebe bei. Es freut mich sehr, dass wir als Verwaltungsstelle nun bereits das 3. Freiwilligencamp organisieren und begleiten durften. Die Resonanz sowohl von den Teilnehmern als auch von den Almbauern ist sehr positiv und motiviert uns, diese Camps auch künftig fortzuführen.“ Die Teilnehmer am gemeinsamen Freiwilligencamp der Biosphärenregion und der Molkerei Berchtesgadener Land waren aus ganz Deutschland – von Hamburg, über NRW und natürlich auch Bayern – angereist. Sie alle teilen das Interesse an Natur, Almwirtschaft, Biodiversität und der Erzeugung von Lebensmitteln, die Liebe zu den Bergen und sie haben die Bereitschaft zum Helfen mitgebracht. Eine Woche haben sie unter Anleitung von Georg Kronthaler, Mitarbeiter der Verwaltungsstelle der Biosphärenregion, Bergbauern beim Freihalten der Almflächen, also beim Entfernen von u.a. Erika, kleinen Fichten, Wacholderstauden und Borstgras unterstützt. Sie haben dabei selbst miterlebt, wieviel Handarbeit und Mühen diese Arbeit erfordert. Neben Fitness und Kondition nehmen sie auch einen neuen Blick auf die Leistung der Landwirte hier in der Bergregion mit nach Hause: „Wir haben die Sicht der Bauern erfahren dürfen und gesehen, dass deren Leben nicht so idyllisch ist, wie man es sich manchmal vorstellt. Jetzt ist uns wesentlich bewusster, wie prekär die Situation der Landwirte oft ist, welche Leistungen sie für die Artenvielfalt in der Bergregion erbringen und wie anstrengend die Arbeit ist, die die Alm- und Bergbauern leisten. Uns ist klargeworden, dass diese Arbeit unbedingt auch weiterhin unterstützt werden muss.“

Freiwillige aus der ganz Deutschland nahmen am Freiwilligen-Camp teil

Um auch zu erfahren, was mit der Milch der Almkühe geschieht, durfte die Gruppe noch einen Blick hinter die Kulissen der Molkerei Berchtesgadener Land in Piding werfen. Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft BGL begrüßte die Gruppe zu Beginn der Führung: „Die Leistung der Alm- und Bergbauern geht weit über die Erzeugung der Bergbauern-Milch hinaus. Durch die Bewirtschaftung und damit das Offenhalten der Wiesen und Almmatten erhalten sie die Kulturlandschaft, für die viele Urlaubsgäste Jahr für Jahr zu uns ins Berchtesgadener Land reisen. Der Einsatz der Bauern und Bäuerinnen hierfür ist aufwändig und oftmals körperlich sehr anstrengend. Im Freiwilligencamp konnten die Teilnehmer das erleben und spüren. Das hat deren Wertschätzung gegenüber der Landwirtschaft und ihren Leistungen für den Erhalt der Biodiversität in der Bergregion geschärft. Gerne haben wir das Camp als Kooperationspartner der Biosphärenregion Berchtesgadener Land unterstützt und sagen den Teilnehmern im Namen der Bergbauern ein herzliches Vergelt‘s Gott.“

Alle Teilnehmenden waren sich einig: Alleine können die Almbauern diese für uns alle so wichtige Arbeit kaum stemmen. Die Arbeit war zwar richtig anstrengend, aber in der Gemeinschaft hat das Arbeiten an der frischen Luft in dieser einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft richtig viel Spaß gemacht. Und alle würden, wenn möglich, wiederkommen wollen. Auch von Seiten der Almbauern gab es positive Resonanz.

Landwirt Michael Votz

Michael Votz, einer der beteiligten Landwirte, zieht Resümee: „Das Angebot des Freiwilligencamps habe ich über das Landwirtschaftliche Wochenblatt entdeckt. Ich beweide zusammen mit 11 weiteren Almbauern aus der Ramsau die Leyerer Tratte und die Holzwehrebene, eine ca. 45 ha große Bergwiese im unteren Bereich des Lattengebirges. Sie ist bucklig und steil und kann neben dem Abweiden durch die Kühe und Jungrinder nur manuell bewirtschaftet werden. Das ist eine Riesenaufgabe, die wir als Nebenerwerbslandwirte oftmals kaum mehr schaffen. Anfangs waren wir skeptisch, ob die Teilnehmer der harten Arbeit beim Schwenden überhaupt gewachsen sind und dann auch noch erfolgreich mitarbeiten werden. Aber die Bedenken waren völlig unbegründet. Zwei Tage lang haben wir gemeinsam mit ihnen große Flächen der Wiesen wieder freibekommen. Dafür möchten wir uns Bauern ganz herzlich bei der Biosphäre, der Molkerei und natürlich bei den Helfern bedanken.“

Interessensabfrage Aufgrund der positiven Resonanz der Almbewirtschafter und der Teilnehmenden plant die Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land, künftig auch Tageseinsätze zum Erhalt der Kulturlandschaft mit Einheimischen zu organisieren. Interessierte können sich unverbindlich bei Georg Kronthaler melden, per Mail an georg.kronthaler@reg-ob.bayern.de oder telefonisch unter 08654 30946-20.

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